Sudmerberg: Von der Siedlung zum Stadtteil

Letzte Aktualisierung am Donnerstag, 13 Juni 2019 07:49 / geschrieben von: Sudadmin

Sudmerberg: Von der Siedlung zum Stadtteil Urgeschichte der Sudmerberger

Die Keimzelle der heutigen Stadt Goslar waren die drei Dörfer Bargdorp oder auch Bergdorf am Fuße des Rammelsberges, Warsleb am Fuß des Steinberges und Sutburg (oder auch Sudesburg, Sudborch, Sutbourch, Sudeborch, Suetburch, Sudburch, Sudborh ) am Fuße des Sudmerberges ( oder auch montis dicti Sutberch, montem Sutborch, Sudborchlingeberge, Sutborgereberch, Sudburger berge, Montis Sudberg, Suthmar Berg ).

Diese Aufzählung der Namen bzw. Schreibweisen für diesen Berg in den letzten 10 Jahrhunderten als „Aussichtsposten über Goslarer Geschichte und Geschichten“ ist keineswegs vollständig. Der Berg lag Jahrhunderte im Schnittpunkt bedeutender Feldzüge und war stets „Vorposten“ für die Goslarer Verteidigungspolitik gegen feindliche Angriffe, insbesondere der Braunschweiger Herzöge.

Die Orte Sudburg und Reindertingerode werden nach 1064 nur noch als Wüstungen ( aufgegebene und verfallende Wohnplätze ) beschrieben. Heute werden sie von unseren Nachbarn in Oker als Keimzellen ihres Stadtteils in Anspruch genommen, wofür auch ihre Lage am südöstlichen Teil des Sudmerberges spräche.

Die in Fotos und auf Video festgehaltenen Thesen der an der Heimatgeschichte interessierten „Hobbygeologen und – filmer“ werden hoffentlich eines Tages auf Gehör von Sponsoren stoßen, die es ermöglichen, nach den Spuren der Sudburg und der dort vorhanden gewesenen Kirche zu graben, um die Geschichte der geheimnisumwobenen Sudburg aufzuhellen.

Am Südabhang des Sudmerberges befinden sich in der oberen Felsschicht die Zwerghöhlen. Nach der Sage trieb vor uralter Zeit hier ein munteres Volk von Zwergen sein Wesen. Doch als zur Zeit Heinrich I. eine Stadt am Fuße des Berges entstand, der Boden vom Stampfen der Pferde, der Ritter und Reisenden erdröhnte und die Waffen klirrten, da zog sich das Zwergvolk in die einsamen Harzberge zurück.

1877 wurde eine dieser Höhlen von Prof. Nehring nach Knochen vorgeschichtlicher Tiere, wie sie Prof. Ulrich in dem westlichen Steinbruch schon früher gefunden hatte, untersucht. Es fanden sich jedoch nur solche der heutigen Tierwelt. Die in verschiedenen Tiefen aufgefundenen Feuerstellen und Topfscherben deuten jedoch darauf hin, daß die Höhlen wiederholt von Menschen bewohnt gewesen sind.

1933/34 ist bei Ausgrabungen (Dr. Becker) ein Dolchscheidenbeschlag in Gestalt eines stilisierten Hirsches gefunden worden, der aus dem 11. Jahrhundert stammen soll und noch im Goslarer Museum zu sehen ist.

Noch viel älter sind die Funde an der Ostseite des Steinbruches aus dem Jahr 1952. Die hier entdeckten Kleinsäugerreste und Landschnecken werden einer Zeit vor 120 bis 430.000 Jahren zugeordnet.

Die Gründerzeit

Im April 1935 beschloß der Rat der Stadt Goslar den Bebauungsplan für den Stadtteil Sudmerberg. Oberbürgermeister Droste erwies sich in Zeiten höchster Arbeitslosigkeit als Helfer in der Not durch zusätzliche Arbeitsprogramme und durch den Bau von Siedlungen für Berg- und Hüttenleute, Chemiearbeiter, Bleilöter, Glasmacher und Waldarbeiter am Sudmerberg und an anderen Stellen Goslars, wie z.B. am Fillerbrunnen.

Im Hintergrund die Schwickertsche Obstbaumplantage

Im April 1936 wurde die Goslarer Wohnungsbaugesellschaft mbH – die spätere Goslarer Wohnstättengesellschaft mbH – gegründet, die viele Bauvorhaben in Sudmerberg ausführte ( der erste Spatenstich erfolgte im Mai 1936 ) und die Siedlerstellen vergab. Die Feier zum ersten Spatenstich hatte allerdings mehr symbolischen Charakter, da zu diesem Zeitpunkt noch niemand wußte, wie diese Häuser aussehen sollten und schon gar nicht, wer sie einmal bewohnen sollte.

Am 17. Juli 1936 trafen sich die ersten 56 Siedler um 17°° Uhr im Sitzungszimmer des Rathauses, um die ersten Siedlerstellen auszulosen. Vorzulegen hatten die künftigen Siedler ein ärztliches Gesundheitszeugnis. Für die „Untersuchung der Familie zwecks Siedlung“ berechnete der Arzt immerhin 5,– R M.

Die Siedler waren vom Bauamt der Stadt – zum Teil auf Vorschlag der Betriebe – ausgewählt worden – insbesondere von den Unterharzer Berg- und Hüttenwerken, der späteren Preußag AG Metall, die auch die erforderlichen 1.200,– RM in Form eines Darlehens für ihre Mitarbeiter als Eigenkapital beigebracht hatte. Einige Siedler hatten ihre Kriegsschadenrente kapitalisieren lassen, die übrigen hatten die 1.200,– RM „irgendwie zusammengebracht“, wie Chronist Fritz Brinkmann bei seinen Vorträgen stets ausführte.

Vorher hatte im Museum in der Königstraße eine Modellausstellung stattgefunden. Drei Haustypen standen zur Auswahl. Fast alle Siedler hatten sich für Typ M entschieden. Die übrigen übernahmen später zwangsläufig diesen Typ, weil der Bau der anderen Modelle sich verzögert hätte. So kommt es, daß letztlich alle Siedlerhäuser den gleichen – auch finanziell günstigen – Zuschnitt aufweisen.

Nach der Verlosung pilgerten die Siedler zum Sudmerberg. Schließlich fand jeder seinen Platz und begann den Boden abzutragen.

Die ersten Siedlerstellen im Birkenweg

Haus-Grundrisse, Bauzeichnung vom April 1936

Der Baugrund kostete seinerzeit 0,50 RM pro Quadratmeter. In dem Vertrag mit der Goslarer Wohnungsbaugesellschaft mbH verpflichteten sich die Siedler u.a. „zur Durchführung der Selbst- und Nachbarhilfe bei der Errichtung von Siedlerstellen mitzuarbeiten, Geländeaufschließungsarbeiten und Wegebau zu verrichten…“ – aber ein Anspruch auf Lohn entstand dadurch nicht. Für Zinsen und Tilgung waren 26,60 RM zu entrichten. Mit dem Vertrag übernahm der Siedler auch die Aufgabe, die Zwischenwände aus Holz für Stallbuchten, einschließlich Türen und Futtertrogklappen sowie Futtertrog und eine Leiter zum Stallboden herzustellen.

Baupläne

Jedem Siedler wurde für sein Grundstück ein verbindlicher Bepflanzungsplan vorgegeben. So bekam jeder unter anderem einen kleinen Walnußbaum, den er zu pflanzen hatte. Die Einheimischen sahen im Hinblick auf die angespannte politische Lage und die Kriegsgefahr in dieser Gabe den Grund dafür darin, daß Walnußholz sich besonders gut für Gewehrkolben eigne.

Blick vom Wasserturm auf den Eschenweg

Eschenweg

Gartenplan

Mit dem Bau der ersten Siedlerhäuser – den Siedlerstellen Monecke und Zorrmann – (jetzt Eschenweg 7 und 9) wurde im April 1936 begonnen, bereits im Winter 1936 wurden die ersten Häuser am damaligen Birkenweg ( jetzt Eschenweg ) bezogen. Im Rahmen der ersten offiziellen „Bezugsaktion“ nahmen am 12.12.36 21 Familien ihre „Volkswohnungen“ in Besitz.

Matschige Wege am Nußanger

Über die Sudmerbergsiedlung, damals noch „Tochterdorf“ genannt, schrieb die Goslarsche Zeitung: „Von ganz besonderer Bedeutung ist für Goslar ein Plan, an der Vienenburger Straße unter dem Sudmerberg eine dorfähnliche Siedlung anzulegen, worin nicht nur ein bestimmter Siedlertyp wohnen, sondern eine Gemischtsiedlung entstehen soll. Ganz besonderer Wert ist darauf gelegt, einen vorteilhaften Kleinsiedlungstyp zu schaffen, der durch die Gliederung von Stallung und Wohnung unter einem Dach eine Art Wiedergeburt eines niedersächsischen Hauses bringen wird“.

Später wird dieser neue „Typ eines Siedlungshauses“ selbst Busse mit Japanern anlocken, die mit Interesse diesen neuen Haustyp vor Ort studieren möchten.

Ein „Ständchen“ am Nußanger

Die städtebauliche Absicht ist in den Entwürfen so dargestellt: „Es werden am Markt Häuser für Bäcker, Fleischer, Kaufmann und Handwerker entstehen. In Verbindung mit einer Gaststätte ist Poststelle und Gemeindesaal geplant, gegenüber auf der anderen Seite ist ein Bauplatz für eine Volksschule vorgesehen.“

Während der Bauphase des ersten Bauabschnittes mußte das für den Bau benötigte Wasser von einem Behälter, der an der damals höchsten Stelle der Siedlung – an den Kastanien – stand geholt werden. Wasserleitungen wurden erst kurz vor dem Einzug in die Siedlerhäuser erstellt.

Zum Bebauungsplan wird weiter ausgeführt: „Die Anlage einer Kanalisation ist für solche Siedlungen nicht zweckmäßig. Die Größe der Parzellen, die Aufnahmefähigkeit des Bodens und die reichliche Verregnung des Geländes gewährleisten die Unterbringung des abfälligen Gebrauchswassers auf den Grundstücken. Hier kann es zur Ertragssteigerung des Bodens verwandt werden.“ Das es doch nicht ohne Kanalisation geht, haben die späteren Jahre gezeigt.

Eschenweg

Die Bebauung setzte sich fort mit den Mietwohnungen am Nußanger – von den Einheimischen rasch als „D-Zug“ bezeichnet. Am Markt entstand die Bäckerei und das Kolonialwarengeschäft. Jahrzehnte später wird öffentlich der Gedanke diskutiert, den „D-Zug“ wegen seiner Einmaligkeit unter Denkmalschutz zu stellen. Die Hauseigentümer sind dankbar dafür, daß im Hinblick auf unabsehbare finanzielle Folgen sich dieser Gedanke dann wieder zerschlagen hat, bezeichnend war er allemal.

Der verschneite "D-Zug" im Februar 1996

Der Bürgersteig am Eschenweg verschwand später wieder

Die GZ berichtete am 30. April 1937: „Heute ist für die Siedlung draußen am Hange des Sudmerberges ein denkwürdiger Tag, heute ist nach Fertigstellung des ersten Bauabschnittes des großen für 2000 Volksgenossen Heim und Scholle gebenden Wohnungsbauprojektes der Stadt Goslar die Eröffnung der ersten bewohnten Strasse. Der Birkenweg ist heute von Fahnen überweht und geschmückt zum Gruße derer, die dort in der immer traulicher und wohnlicher werdenden Straße ihre neue Heimat fanden und auf eigener Scholle seßhaft wurden“.

Blick vom Sdmerberg auf Eschenweg und Ahornweg

Sudmerbergstraße

Ahornweg - Nußanger

Die Häuser waren bezugsfertig. Welche Bedeutung besaß jedoch eine derartige Feststellung, denn Straßen und Wege waren nicht vorhanden. Es gab rundherum nur Matsch. Der Möbelwagen blieb auf der Vienenburger Straße stehen. Auf Brettern balancierend wurden die Möbel in die neuen Wohnungen geschleppt. Dazu eine leidgeprüfte Siedlerin: „ 8 Jahre sind wir nun verheiratet. Du warst immer gut zu mir. Aber daß Du mich hierhin gebracht hast, vergesse ich Dir nie.“ Und nach einer Pause und vielen Tränen versöhnte sich sich wieder mit ihrem Siedlergatten: „ Ja, es war furchtbar, aber schließlich haben wir es doch geschafft.“

Am 1.11.1937 wurden die Mietwohnungen am Ahornweg bezogen, es folgten Siedlerstellen und Mietwohnungen in der Sudmerbergstraße.

Einweihung mit "Stadtvätern" und der "Goslarer Wohnstätten"

Winter in der Sudmerbergstraße (1996)

Richtfest 1939

Das Vermessungsteam der "Wohnstätten"

Die Gaststätte "Sudburg" im Hintergrund

Die ersten Schritte zur Gründung der Siedlergemeinschaft Sudmerberg wurden bereits am 22.09.1934 unternommen, die Gründung erfolgte 1936. Die Siedler wurden zu einer Schulungsveranstaltung der Siedlergemeinschaft am Sudmerberg in das „Haus der deutschen Arbeit“ in der Bergstraße 6 eingeladen. Originaltext der Einladung: „Erscheinen aller Siedler und Siedlerfrauen ist Pflicht. Die anliegende Beitrittserklärung ist zu vollziehen und am Sonnabend dem Kreisgruppenleiter abzugeben.“ – So „einfach“ war damals eine Vereinsgründung.

Richtig in Schwung kam die Siedlergemeinschaft aber erst im Laufe des Jahres 1937. Die Gemeinschaft bot Hilfestellung beim Bau der Eigenheime und bei Behördengängen, Schulungen im Gartenbau, vor allem aber auch besonders nach Ende des Zweiten Weltkrieges Hilfestellung in allen Lebenslagen – unabdingbare Voraussetzung für das Zusammenleben in der Gemeinschaft bzw. für das Überleben jedes Einzelnen in dieser Zeit. Zünftige Bratwurstessen in der „Krone“ und bei „Redmann“ blieben den Gründungsmitgliedern von einst in guter Erinnerung.

Immer wieder hat die Siedlergemeinschaft auch später in Ihrem Mitteilungsblatt „Die Sudmerberger Warte“ geraten: „Gehen Sie ruhig vorher zum Bauamt. Besser man zankt sich vorher ein bißchen, als daß man sich hinterher prügelt“. Prügeleien gab es wohl nicht, aber mancher „Schwarzbau“ mußte später wieder abgerissen werden.

Erster Gemeinschaftsleiter in dieser Zeit wurde Heinrich Wienrich, Kassierer der inzwischen legendäre Robert Lämmerhold, der als langjähriges Vorstandsmitglied und Vorsteher die Siedlergemeinschaft und die Siedlung mit prägte. Gartenschulungswart war Fritz Brinkmann.

Schon 1938 wurde die gerade in Schwung gekommene Bautätigkeit durch Kontingentierung von Baumaterial u.ä. stark eingeschränkt.

Amerikan. Truppen haben "Im Schleeke" Stellung bezogen

Verkaufsstelle Schlachterei Koch über dem "Splittergraben"

1938/39 entstand an der Straße „An den Kastanien“ das Lokal „Sudburg“. Der Name ist der historischen Sudburg entliehen, die einst auf der anderen Seite des Sudmerberges lag. Die „Kneipe“ wurde von Hermann Mund bis 1959 betrieben. Sie war das Zentrum des Siedlungslebens. Hier fanden alle Feste, Vereinsjubiläen, Jahreshauptversammlungen, aber auch schon private Feiern statt. Sie war nicht nur die Urzelle des Schützenvereins Sudmerberg, dort befand sich nach dem Krieg auch die erste Lottoannahmestelle in Sudmerberg.

Siedlerfest 1947

Bis zum Oktober 1940 entstanden trotz kriegsbedingter Einschränkungen und eines eigentlich existierenden Bauverbotes weitere 53 Wohnungen am Ginsterbusch.

In den 40iger Jahren brachte die Firma Sültzemeyer mit einem Bus die Sudmerberger Kinder zu den Goslarer Schulen in der Innenstadt. Dort besuchten sie die Goetheschule und die Hans-Schemm-Schule ( genannt nach dem nationalsozialistischen Minister für Schule und Kultur ), die später wieder Schillerschule hieß. Das damalige Schulgebäude mußte dem heutigen C & A Neubau weichen.

Auch die Kleinsiedlerstellen am Heckenweg und Haselbusch konnten noch bis zum 15.10.1943 fertiggestellt werden, bevor die Kriegswirren und -bewirtschaftungen dem Baugeschehen für Siedlungszwecke ein vorläufiges Ende bereiteten.

Die letzte Hürde vor dem endgültigen Besitz der Siedlerstellen konnten die Siedler erst am 26.11.1943 nehmen. An diesem Tag wurde der „Kauf- und Überreichungsvertrag“ beim Amtsgericht Goslar geschlossen und die Siedlerstelle auf den Namen der neuen Eigentümer im Grundbuch eingetragen. Nach dem Siedlervertrag sollte nach Ablauf von 3 Jahren der Bewährung die Siedlerwürdigkeit festgestellt und die Siedlerstelle als Eigentum des Siedlers eingetragen werden. An der Verzögerung war aber nicht allein der Krieg schuld, sondern auch die Goslarer Wohnungsbaugesellschaft, die sich als Trägergesellschaft „ an das Verwalten klammerte, wobei unser Träger der weitaus Anständigste in unserer Umgebung war“, wie Fritz Brinkmann in seiner Rede zum 25. Jubiläum der Siedlergemeinschaft feststellte.

Mit fortschreitender Kriegszeit nahm die Angst vor feindlichen Luftangriffen zu. Auch die noch relativ friedliche Siedlung hatte bei Dunkelheit und bei Fliegeralarm die Häuser „abzudunkeln“. Diese Pflichten wurden streng überwacht. Die Aufgabe des Luftschutzwartes (Untergruppe 18) in der Siedlung war Ludwig „Ludchen“ Breitung übertragen worden, der sich bei der Überprüfung auch der Hilfe seines noch nicht im „wehrfähigen“ Alter befindlichen jüngsten Sohnes, des „Langen“, bediente.

Was heute als Anekdote oft noch Heiterkeit auslöst, machte „der Lange“ auf seine Weise wahr. Wer bei feindlichem Fliegeralarm nach Aufforderung nicht rechtzeitig das Licht gelöscht hatte, für den erledigte „der Lange“ das mit Zwille und Krampe nachhaltig und endgültig.

Die Luftschutzsirene, ein handbetriebenes transportables Gerät, war im Birkenweg 28 stationiert, bedient von der Siedlerfamilie Bormann.
Bisher hatte der Krieg, abgesehen von den persönlichen Schicksalen im Familienkreis, für den Raum der Sudmerbergsiedlung weitgehend in den bedrohlich wirken-den Kondensstreifen der alliierten Bomberverbände und den weit sichtbaren Rauchsäulen der nach einem Überraschungsangriff amerikanischer Tiefflieger vernichteten deutschen und italienischen Kampfmaschinen am 24.08.44 auf dem Fliegerhorst bestanden. Jetzt erreichte er auch die Sudmerbergsiedlung.

Am 22.02.1945 bombardierten Flugzeuge die Firma Borchers ( jetzt H.C. Stark ), das Hüttengelände in Oker und den Bahnhof Oker. An diesem Tag starben mindestens 18 Menschen. Schutz vor derartigen Gefahren wie auch bei gelegentlichen Tieffliegerangriffen fanden die Sudmerberger in diesen Tagen in dem inzwischen zugebauten Luftschutzbunker am Ende des Eichenkampes.

Nach der Übergabe der Stadt Goslar an die amerikanischen Truppen und deren Weitermarsch in Richtung Bad Harzburg und ins Okertal kam es am 10.04.1945 zu einem ernsthaften Zwischenfall, als die „Im Schleeke“ fahrende Kolonne vom Sudmerberg aus beschossen wurde. Einige MG-Salven, abgegeben auf der Höhe der „Saubrücke“, entmutigten das letzte Aufgebot auf dem Sudmerberg noch nicht. Nachdem amerikanische Panzer und Artelleriegeschütze vom alten Sportplatz an der Galgheitstraße und vom Anger der Goslarschen Straße das Feuer auf den Sudmerberg erwiderten, war auch dieser Spuk zu Ende.

Bis 1953 trieb Rudi Hesse...

Kurze Zeit später – am 01.05.1945 – starben 5 Kinder bei einer Explosion im Sudmerberger Steinbruch. Sie standen vor der – von wem auch immer – aufgebrochenen Eisentür der Pulverkammer des Steinbruches, als einige Spielkameraden Lunten gelegt hatten und zündelten. Die fünf hatten keine Chance.

Bei Kriegsende war jede, auch die private Bautätigkeit zum Erliegen gekommen. Nur diejenigen, die Zugang zur Zigarettenwährung hatten, konnten noch etwas bewegen.
Die Nachkriegszeit

Am 01.06.1946 erhielt die Sudmerbergsiedlung ihre Gemeindeschwester, die Diakonieschwester Käthe Blauert aus dem Diakoniemutterhaus Stettin-Finkenwalde in Bad Harzburg.

Da durch die Kriegszeit ein Kirchenbau nicht möglich war und ohnehin bei den damaligen Machthabern keinen Stellenwert besaß, war Sudmerberg noch ohne eigene Kirche. Die Sudmerberger Gläubigen besuchten die Stephani-Kirche in Goslar. In der Frühzeit der Sudmerbergsiedlung entstand das böse Gerücht, daß die Goslarer Unterstädter die Fensterläden zumachten, wenn die Sudmerberger anrückten.

Am Himmelfahrtstag 1946 hielt Pastor Udo Janßen den ersten Gottesdienst unter freien Himmel auf dem Sudmerberg.

...die größte Ziegenherde der Stadt...

Auf den Mauern des Luftschutzdeckungsgrabens, des sogenannten Splittergrabens entstand nun die bereits seit Beginn der Bautätigkeit in Sudmerberg geplante Schlachterei, etwas später daneben auch eine zweite Bäckerei. Den Teig rührten die Sudmerbergerinnen zu Hause an. Backen konnten sie ihren Kuchen bei Bäcker Meyer nachts. Die Backzeiten wurden zugeteilt und so fand sich manch eine Sudmerberger Hausfrau um 21.30 Uhr oder später in der Meyer’schen Backstube vor dem Backofen ein.

In der Nachkriegszeit wurden die ehemaligen Gräben verpachtet und dienten zur Haltung von Kaninchen, die im von Brotkarten und damit von Zuteilungen gekennzeichneten Ernährungsplan eine besondere Rolle spielten. So lud Bauer Deike aus Vienenburg zu einem Tanzvergnügen in der Okeraner „Hohen Rast“. Besonders angekündigte kulinarische Köstlichkeit zu diesem Fest: „Gebratenes Kaninchen“.

Zu den problematischen Aufgaben der Siedlergemeinschaft gehörte in dieser Zeit die schwierige Beschaffung von Winterkartoffeln. 320 Zentner Gartenkartoffeln wurden zugeteilt und konnten verteilt werden. Die Beschaffung von ausreichenden Mengen Karbolineum zum Streichen der hölzernen Giebelbeschläge der Siedlerhäuser war kaum möglich, wurde jedoch für 1947 angebahnt. Zur Schädlingsbekämpfung wurden zwei Obstbaumspritzen beschafft. Zum „Bäume schneiden“ verteilten sich Siedlerfreunde straßenweise, um vor Ort zu schulen.

Am 10.02.1946 traf sich die Siedlergemeinschaft Sudmerberg zur Wahl eines neuen Vorstandes in der Schillerschule. Aus dieser Wahl gingen Albert Zorrmann als 1. Vorsitzender, Robert Lämmerhold als 2. Vorsitzender, Richard Sommerfeld als Kassierer und Fritz Brinkmann als Schriftführer hervor. Alwin Weiß und Walter Hahn wurden Beisitzer, Ewald Kornhardt und Hermann Schwerthelm Revisoren, heute schlicht und einfach Kassenprüfer genannt.
Es bestand auch eine Kommission zur Landverteilung, der Ernst Klingemann, Albert Playa und Ewald Kornhardt angehörten. Die Siedlergemeinschaft hatte zu dieser Zeit nach 29 Neuanmeldungen 187 Mitglieder und 3 Förderer. Der von der Siedlergemeinschaft tatsächlich vertretene Personenkreis war jedoch ungleich höher, weil die Mitgliedschaft an das Grundstück gebunden war und in dieser Zeit die Häuser von viel mehr Personen bewohnt wurden als heute.

...auf die saftigen Weiden des Sudmerberges

Wo heute in den schmucken Siedlerhäusern meist Kinderzimmer, Küche oder Bad nachträglich eingebaut sind, befand sich ursprünglich die Waschküche und gegenüber zum Hof hin der Schweine- oder Ziegenstall. Insgesamt 300 Ziegen – und damit die größte Ziegenherde der Stadt – versorgten die Siedler mit Milch. Von 1947 bis 1949 trieb S. Riesen und anschließend bis 1953 Rudi Hesse die Ziegen auf die saftigen Wiesen auf dem Kamm des Sudmerberges.

Die Stadtväter beim Richtfest...

...in der Sudmerbergstraße.

Als Sudmerberg noch...

Milch wurde selbst gebuttert. Da nicht jeder sich eine Butterzentrifuge leisten konnte, wurde diese gemeinsam beschafft und betrieben. So wurde z.B. für den oberen Birkenweg bei Breitungs (Eschenweg 35) und für den unteren Birkenweg bei Borchers (Eschenweg 4) gebuttert.

Obwohl für Reichsmark weder Arbeitskräfte noch Material zu haben waren, begann der erste Wohnungsneubau. Improvisation war alles. Im wesentlichen in Selbsthilfe wurde mit der Errichtung von einigen Eigenheimen und mit dem Ausbau von 19 Dachgeschoßwohnungen begonnen.

Die Verhältnisse änderten sich quasi über Nacht mit dem neuen Geld nach der Währungsreform ( 20.06.1948). Die Stadt und das Land stellten Mittel für den Wohnungsbau zur Verfügung, es entstanden allein in Sudmerberg 35 Wohneinheiten an der Sudmerbergstraße und am Erlenweg.

das "Stieftochterdorf" war,...

...versanken die Sudmerberger noch im Schmutz und Schlamm...

Für die von Beginn der Besiedelung an geplante Sudmerbergschule wurde der Grundstein gelegt. Dr. Kotzorek eröffnete am Erlenweg die erste Praxis in der Siedlung.

Die Siedlung Sudmerberg hatte in ihrer kurzen Geschichte schon viele Kosenamen erhalten, so z.B. „Negersiedlung“ und „Stieftochterdorf“.

„Negersiedlung“ deshalb, weil die Straßen in der Siedlung noch nicht befestigt waren und die Siedlerinnen und Siedler bei entsprechenden Witterungsverhältnissen entweder mit verschmutzten Schuhen oder gar barfuß in die Stadt gehen mußten. Dort wurden sie dann oftmals mit der Bemerkun „die dort aus der Negersiedlung“ empfangen.

...und liefen barfuß, wenn es...

...anders nicht mehr möglich war!

Ging es am Wochenende zum Tanz in die Stadt, wurde das Schuhwerk „an der Stadtgrenze“ gewechselt, die schmucken Tanzschuhe angezogen und die schmutzigen Treter in den Büschen versteckt. Gar zu oft wurden den Mädchen aus Schabernack die Schuhe versteckt, damit diese den Heimweg dann wieder barfuß antreten sollten.

Die Sudmerbergschule entstand 1949

Einweihung der Wohnstätten-Gebäude am Pappelweg 1950

Der Begriff „Stieftochterdorf“ entstand aus dem Gefühl der Siedler heraus, daß die Siedlung zu dieser Zeit nicht die jüngste Tochter der alten Dame Stadt Goslar war, sondern deren Stieftochter. Keine Kanalisation, keine Straßenbefestigung, keine Verkabelung der elektrischen Leitungen, keine Straßenbeleuchtung usw.. Darüber hinaus sorgte das Bauamt der Stadt für Verdruß, da dieses nicht genehmigen wollte, was die Siedler für nötig hielten. Es war auch nicht einzusehen, warum unbedingt nur Sprossenfenster eingebaut werden durften oder der Giebel dunkel gestrichen bleiben und nicht hell beschlagen werden durfte.

Heute hat sich die Stieftochter gemausert. Ein letzter Punkt, in dem die Sudmerberger in Anlehnung an ihr Wahrzeichen – die Sudmerberger Warte – der Stadt den Vorwurf des „Sudmerberger – warte“ machen mußten, war der Streit um die Befestigung der sogenannten Wirtschaftswege. Dieses Problem wurde in den letzten Jahren endlich aufgegriffen und hat, wenn nicht wieder etwas dazwischen kommt, in zwei Jahren endgültig „historische Bedeutung“.

Die Befestigung der Wirtschaftswege steht unmittelbar bevor!

1950 gründeten W. Schwerthelm, H. Mundt, F. Krähe, P. Schulze, A. Michel und F. Ulinsky den Schießclub Sudmerberg, der sich 1954 in „Schießverein Sudmerberg“ umbenannte und erst seit 1964 seinen endgültigen Namen „Schützenverein Goslar – Sudmerberg“ führt. Das erste „Schießlokal“ war die Sudburg – hier wurde Bier noch aus dem Schützenhut getrunken -, der Vereinsbeitrag lag bei 0,50 DM pro Monat.

Am 03.08.1950 nahmen 504 bislang in der Goethe- und der Schillerschule beschulte Kinder Besitz von der neuen Sudmerbergschule, die der erste Schulneubau nach dem Krieg im gesamten Verwaltungsbezirk Braunschweig war. Zum ersten Rektor der Volksschule wurde Heinrich Jakob ernannt, Otto Meissner zum Konrektor. Die Aufgabe des ersten Elternvertreters fiel Herrn Brunkmann und ab 1953 Herrn Rohde zu. Da nur 6 Klassenräume zur Verfügung standen, wurde der Unterricht in 3 „Schichten“ von 7°° bis 17°° Uhr durchgeführt.

Ungewöhnlich – für die damalige wie auch für die heutige Zeit – war ein „Kompensationsgeschäft“ zwischen der Schule und den Müttern der Schülerinnen und Schüler. Für 0,50 DM konnten sie auf dem Dachboden der Schule ihre Wäsche zum Trocknen aufhängen.

Für die Sudmerberger Kinder besaß die Ferienzeit natürlich die gleiche Bedeutung wie heute. Achim und Jürgen und die anderen Balgen „vom Berge“ freuten sich nicht auf Urlaub auf den Balearen, sondern riesig darauf, daß sie – in Sichtweite zum elterlichen Haus – zu Dr. Lampe in die „Kartoffelferien“ auf Gut Ohlhof durften.

Am 10.05.1951 wurde in der Siedlung eine neue Pfarrstelle eingerichtet. Es begannen regelmäßige Gottesdienste und Kindergottesdienste in der Schulaula. Am 01.10.1951 wurde Pastor Klaus Jürgens als Hilfsprediger mit der Verwaltung der Pfarrstelle beauftragt. Gustav Schröder begleitete den Gemeindegesang auf dem Schulflügel. Das erste heilige Abendmahl in der Gemeinde wurde am Buß- und Bettag gefeiert. Dem ersten Kirchenvorstand, der 1951 gewählt wurde, gehörten Wilhelm Heberle, Max Hirsch, Heinrich Jakob, Christian Müller, Fritz Pliefke, Ernst Rohde, Johanne Rust und Walter Schlimme an.

Am 22.09.1952 gab die Braunschweigische ev.-luth. Kirche bekannt, daß in der Sudmerbergsiedlung eine neue Gemeinde St. Peter entstehen wird. Am 08.11.1952 wurde der Grundstein für das Pfarr- und Gemeindehaus am Nußanger im Beisein von Oberlandeskirchenrat Röpke, Probst Rauls von der Probstei Goslar, Pastor Harborth vom Stadtkirchenverband, Pastor Rüß von der Kirchengemeinde St. Stephani und Stadtbaurat Voß gelegt.

Pastor Klaus Jürgens bei der...

...Grundsteinlegung 1952 für das...

...neue Pfarr- und Gemeindehaus St. Peter.

Seit dem 19.07.1952 ruft die Brieger Glocke die Gläubigen zum sonntäglichen Gottesdienst. Im Krieg wurden in Hamburg Glocken gelagert, die für die Kriegsrüstung eingeschmolzen werden sollten. Die Ereignisse überstürzten sich und so blieben viele Glocken erhalten. Glocken aus dem deutschen Osten wurden in den Zeiten des nunmehr herrschenden „Kalten Krieges“ nicht mehr in die früheren Gemeinden zurückgebracht. So erhielt Sudmerberg die „Brieger Glocke“, die aus dem 14. Jahrhundert stammende St. Barbara-Glocke der Gemeinde Groß Jenkwitz aus dem schlesischen Kreis Brieg-Löwen. Dies war ein Verdienst des Brieger Superintendenten Schmidt von Puskas.

Zum Gottesdienst läutet seit...

...dem 19. Juli 1952 die...

..."Brieger Glocke."

Der heutige Buchenanger hieß zu dieser Zeit Buchenweg und wurde im Volksmund „Pastorenstieg“ genannt, weil Pastor Jürgens noch bei Klages im Birkenweg – heute Eschenweg – wohnte und dieses für ihn der kürzeste Weg zum Gottesdienst war.

Vor dem Richtfest der Häuser am oberen Ginsterbusch hatte ein gewaltiger Sturm den Dachstuhl zum Einsturz gebracht.

Sturmschäden vor dem Richtfest am Ginsterbusch 1952

Die Siedlung wurde 1952 durch den Busverkehr mit der Stadt verbunden.

Gäste des Richtfestes der Wohnstätten-Gebäude am Erlenweg

Richtfest der Wohnstätten am Erlenweg 1951/52

Am 03.10.1953 wurde das Gemeindehaus St. Peter eingeweiht.

1953 erfuhr das Leben im Zentrum der Siedlung durch den neu geschaffenen Sportplatz eine große Bereicherung. Konrektor Meissner, selbst Sudmerberger, versammelte die älteren Schüler und ließ diese in Reihe Schritt für Schritt Steine auflesen, so daß der Herrichtung des Platzes nichts mehr im Wege stand. Hausmeister Plümer brauchte sich nun nicht mehr so häufig über verdreckte Flure und Klassenzimmer ärgern, hatten die „bösen“ Kinder doch bislang dadurch, daß sie immer querfeldein über unbefestigtes Gelände zur Schule gegangen waren, schnell überall ihre Spuren hinterlassen.

1953 entstand der Sportplatz hinter der Sudmerbergschule

Die besondere Verbundenheit der Sudmerberger mit ihrer Schule zeigte sich auch in der Gründung des Schulvereins. Die jährlich veranstalteten Landschulheimaufenthalte in der Heimathütte Hohegeiß wären ohne ihn nicht zustande gekommen. Während andere Vereine kamen und auch wieder gingen, wirkt der Schulverein noch heute.

Am 08.02.1954 gründete sich die Ev. Frauenhilfe unter Vorsitz von Else Hühne in der Sudmerbergsiedlung. Bis zu diesem Zeitpunkt gingen die Frauen, wenn der schon erwähnte geflickte Schuh drückte, zur Frauenhilfsstunde in die Stephani – Gemeinde.

Sudmerbergschule

Sudmerbergschule

Der Ausbau der Sudmerbergschule machte Fortschritte. Mit Beendigung des 2. Bauabschnittes entlang der Sudmerbergstraße am 05.08.1954 standen nun 12 Klassenräume zur Verfügung, so daß die Sudmerbergschule die erste Schule in der Stadt Goslar war, die einen normalen Vormittagsunterricht montags bis sonnabends von 7°° bis 13.10 Uhr durchführen konnte.

Nachdem sich bereits im November 1953 die Züchter Paul Mann, Alfred Schlüter und Paul Schülke im Lebensmittelladen Mann am Kiefernbrink zur Gründung eines eigenen Sudmerberger Kaninchenzuchtvereins getroffen hatten, wurde am 08.08.1954 im Beisein des Kreisverbandsvorsitzenden Wilhelm Bothe und der Züchter Paul Mann, Alfred Schlüter, Paul Schülke, Paul Schulz, Paul Krüger, Alfred Heine, Heinz Heine, Gerhard Löbig, Wilhelm Behrens, Erich Ziegler und Horst Preis der Kaninchenzuchtverein Goslar – Sudmerberg F 255 gegründet. Die erste Zuchtausstellung fand im Vereinslokal „Sudburg“ bereits im Spätherbst des Jahres 1955 statt.

Auch in der Sudmerbergsiedlung sorgten staatliche Ordnungshüter für Ruhe und Ordnung. Zunächst waren in der Polizeistation am Erlenweg 3 Polizisten mit einer Hundestaffel stationiert. Später – zum Zeitpunkt des Baus der Sudmerbergschule – wurde die Polizeistation in das kleine „Hexenhäuschen“ in der Sudmerbergstraße am Marktplatz vor dem ehemaligen Konsum verlegt.

Hausherr der kleinen Polizeistation war von 1955 an bis weit in die 60iger Jahre Polizeiwachtmeister Herder, ein strenger Hüter der Ordnung in Sudmerberg. Wenn vor einem Grundstück nicht gefegt, gestreut oder gar der Schnee nicht geräumt war, klingelte er an der Tür des Betreffenden und drohte mit Strafe. Besonders die Jugendlichen hatten Respekt vor ihm, war er ihnen doch überall auf den Fersen.

Es war eiskaltes Winterwetter, es lag jedoch kein Schnee. Mehrere Jugendliche radelten immer frei weg um den Marktplatz ( damals ließ der kaum vorhandene Verkehr das noch zu ). Dies entsprach nicht den Vorschriften! Unser Ordnungshüter nahm Anlauf auf die Gruppe, da passierte es: Eine überfrorene Pfütze vor seiner Wachstube wurde ihm zum Verhängnis. Er legte sich lang hin, war dem Spott und dem Gelächter der Jungen ausgeliefert und zog sich brummend in sein Quartier zurück.

Das ehemalige Revier von Polizeiwachtmeister Herder

Weihnachtsfeiern im Ort wurden zunehmend von den Schülerinnen und Schülern der Sudmerbergschule gestaltet.

Weihnachtsaufführung der jüngsten Sudmerberger 1952

In den 50iger Jahren übernahm – als Vorläufer der heutigen Kreisvolkshochschule des Landkreises Goslar – der „Arbeitskreis Sudmerberg“ der VHS Goslar e.V. die kulturelle Betreuung. Alle interessierten Mitglieder hatten einen Beitrag -“mindestens 25 Pfennig im Monat“ zu leisten. Dafür erhielten sie bei allen Veranstaltungen der VHS beachtliche Eintrittspreisermäßigungen.

Die ev. – luth. Kirchengemeinde erhielt 1957 den Namen St. Peter nach einem Kloster, das früher vor den Toren Goslars lag.

"Panoramablick" auf die Siedlung in ihren Anfängen

1957 Mehrfamilienhäuser an der Sudmerbergstraße beziehbar

Die Goslarer Wohnstättengesellschaft errichtete am Ende der Sudmerbergstraße die Mehrfamilienhäuser. Gleichzeitig wurde mit dem Verkauf der von der Gesellschaft errichteten Ein- und Zweifamilienhäuser begonnen. In den nächsten Jahren werden 248 Häuser an ehemalige Mieter veräußert. Der Kaufpreis lag in vielen Fällen unter 20.000,– DM.

Polizeistation auf dem fast freien Marktgelände

Zweigstelle der Stadtsparkasse Goslar im Winter 1996

In einer Feierstunde am 27.07.1957 wurde die 2. Zweigstelle der Stadtsparkasse – nach der Zweigstelle in Jürgenohl – eingeweiht. Oberstadtdirektor Schneider konnte zur Einweihungsfeier der vom Architekten Karl Hamann im Auftrag der Goslarer Wohnstättengesellschaft modernsten Richtlinien entsprechend gebauten Zweigstelle Vertreter der Industrie, der Handwerker und der freundschaftlich verbundenen übrigen Goslarer Geldinstitute begrüßen.

Mußten die Siedler bisher zur Hauptkasse am Jakobikirchhof zum Geldholen gehen, so brachte die Sudmerberger Zweigstelle jetzt auch für die Hauptstelle Entlastung. Sparkassendirektor Wahsner erhoffte sich mit der Kapitaleinlage von 600.000 DM der rd. 750 Sudmerberger Sparkassenkunden für die Folgezeit einen Aufwärtstrend.

Geschäftsführer Schmidt von der Wohnstättengesellschaft überreichte bei dieser Feierstunde nicht nur den Handwerkern, sondern auch denjenigen, die hinter ihren Schreibtischen den Bau gefördert hatten, Schweißtücher vom Richtbaum, wie es alter Brauch ist.

Der Spielmannszug der Schützengesellschaft wurde 1957 aus der Taufe gehoben. Der Schützenverein nahm die Planungen für eine eigene Schießbaracke auf.

Der Erweiterungsbau des Pfarr- und Gemeindehauses St. Peter wurde in die Nutzung einbezogen, ein Jugendraum und eine Schwesternwohnung kamen hinzu. Probst Rauls führte am 12.10.1958 Pastor Hanspeter Meyer als neuen Gemeindepfarrer ein.

Da dem Schützenverein noch immer ein eigenes Schützenheim fehlte, kaufte der Vorstand in Salzgitter – Lebenstedt eine ehemalige Reichsarbeitsdienstbaracke und baute sie an dem jetzigen Standort auf. Im November 1958 fand die Einweihung des Schützenhauses statt.

Schwester Hildegard Jackstedt übernahm 1959 das Amt der Gemeindeschwester.

Die Sechziger Jahre

Mit dem 3. Bauabschnitt rundete die Stadt Goslar am 08.09.1960 das Schulareal der Sudmerbergschule ab. Der Sportplatz erlangte dabei besondere Bedeutung als Austragungsort der Deutschen Meisterschaft der Hockeyfreunde zwischen Goslar 08 und den Brandenburgern. Mit der neuen Turnhalle war von diesem Zeitpunkt an neben dem Sommersportbetrieb auch ein geregelter Wintersportbetrieb möglich.

Die ersten Straßen wurden kanalisiert und es erfolgte der Anschluß der ersten Häuser an die Kanalisation, obwohl die neue Kläranlage im Steinfeld (Kläranlage Goslar Ost) noch nicht fertiggestellt war.

Am 16. Juni 1961 erinnerten sich die Siedler mit vielen Ehrengästen bei einer Feierstunde der Siedlergemeinschaft der Entstehung ihrer Siedlung vor 25 Jahren. Zum Jubiläum übergab die Stadt Goslar den Sudmerbergern quasi als Jubiläumsgeschenk die ersten modernen Straßenlampen auf dem Birkenweg. Die Siedlergemeinschaft erhielt von der Geschäftsführerin der Landesgruppe des Deutschen Siedlerbundes Frau König eine kunstvolle Tischglocke, die dem Vorstand in den nächsten 25 Jahren „mehr Gehör“ verschaffen sollte.

25 jähriges Jubiläum der Siedlergemeinschaft

1961 begann die Betreuung der katholischen Einwohner der Sudmerbergsiedlung von der Kirchengemeinde St. Jakobus aus. Zur heiligen Messe versammelten sich die Gläubigen in der Aula der Sudmerbergschule.

Die Bautätigkeit um den Markt fand ihre Abrundung; es entstanden das Konsum, die neue Post und die Gaststätte „Glück Auf“. Zu dieser Zeit führte der Stadtteil auch seinen eigenen Poststempel „Goslar-Sudmerberg“, heute ein Liebhaberexemplar für Freunde der Philatelie.

Noch heute erzählen sich die Sudmerberger eine einmalige aber wahre Geschichte: Eine Sudmerbergerin – nennen wir sie Burgunde – wickelte in der Post ein in Zeitungspapier eingeschlagenes Brikett aus und ließ es auf der Postwaage wiegen. Auf die exakte Gewichtsangabe des Posthalters folgte der erzürnte Aufschrei: „ Dann hat der Kohlenhändler mich doch besch….“.

Weitere 32 kleine Reihenhäuser am Ginsterbusch sollten an die bisherigen Mieter verkauft werden. Die Interessenten hatten sich bis zum 15.10.1961 zu entscheiden, ob sie die Häuser für 19.100,– DM für ein Mittelhaus und 19.500,– DM für ein Eck-haus erwerben wollten.

Der Schützenverein nahm 1962 auch Damen als Mitglieder auf. Sie durften „bis auf weiteres“ an den wöchentlichen Schießabenden teilnehmen. Die Damen setzten sich durch und gründeten eine der ersten Damenabteilungen im Kreisschützenverband Goslar.

Die Schützendamen des Vereins

Das Stadtgartenamt Goslar kündigte an, auf dem Nußanger „den Urwald an den Spielplätzen und an den Übergängen zu frisieren“ – so die „Sudmerberger Warte“ im Oktober 1962.

1963 baute Sudmerberg an. Sudmerberg Nord 2 – so die amtliche Bezeichnung des Bebauungsplanes – wurde erschlossen und mit 50 Häusern bebaut. Die Einwohnerzahl vergrößerte sich auf 3.500!

Der Schützenverein hob 1965 den Jugend-, Hörner- und Fanfarenzug aus der Tau-fe. Vier Jahre später trennen sich Stammspielmannszug und der Hörner- und Fanfarenzug, der künftig allein den Verein repräsentiert.

Junge Musikanten des Hörner- und Fanfarenzuges Sudmerberg

St. Peter erhielt 1966 einen neuen Gemeindepfarrer. Pastor Dr. von Kloeden wurde am 07.08.1966 von Probst von Schwarz in sein Amt eingeführt.

In den letzten Jahren hatten die Siedler mit steigendem Wohlstand auch ihre Häuser verändert. Der ehemalige Stall und der Heuboden waren zu Wohnraum umgebaut worden, inzwischen schmückten größere Fenster und phantasievollere Türen die Häuser in der Siedlung. Das besondere Augenmerk der Siedler galt ihren Vorgärten. Lediglich an den Häusern der Bundesvermögensverwaltung am Dornbusch und am Ulmenstieg hatten Hochkonjunktur und Wirtschaftswunder noch keine Spuren hinterlassen. „Sie sehen noch so aus, wie sie 1939 für das Kasernenpersonal des Fliegerhorstes erstellt worden waren“ bemerkte die GZ.

Mietshäuser am Dornbusch nach der Renovierung

Bemühungen der Siedlergemeinschaft, angeregt von Rektor Meissner, die Bundes-vermögensverwaltung zu einem Verkauf der Häuser an ihre Bewohner oder andere Interessierte zu bewegen, scheiterten letztlich, obwohl jahrelang Schriftwechsel ge-führt worden war.

Das Richtfest des Kindergartens St. Peter fand am 02.11.1968 statt.

Am 21.05.1968 wurde die Nordtangente dem Verkehr übergeben. Sie bedeutete nicht nur für die Innenstadt von Goslar, sondern auch für die den Stadtteil Sudmer-berg begrenzenden Straßen eine Verkehrsentlastung.

Der Kindergarten der ev. Kirchengemeinde St. Peter hatte am 11.10.1969 im Beisein von Kultusminister Langeheine, Landesbischof Dr. G. Heintze, dem Präsidenten des Niedersächsischen Verwaltungsbezirks Braunschweig Prof. Dr. Dr. Thiele, Oberbürgermeister Degenhardt und Oberstadtdirektor Scholz zur Einweihung eingeladen.

Das Junior-Werk und allen voran sein Chef Th.K.P. Schenning hatten dafür Patenschaft, Planung, Sammelaktionen und Bauleitung übernommen. „350 Männer krempelten die Ärmel hoch“ titelte eine große deutsche Boulevardzeitung. Möglich wurde der Bau durch Geld- und Materialspenden von 200.00,– DM, durch die „Muskelhypothek“ der Mitarbeiter des Junior-Werkes und der Sudmerberger Siedler, die mehr als 5.000 Stunden Arbeitszeit investiert hatten, und einem Beitrag von 100.000,– DM von der Stadt und vom Kirchlichen Verein.

Die Leitung des Kindergartens, der 50 Kinder betreut, oblag von Anfang an Inge Baldauf. Zu der langjährigen Stammbesetzung aus der Anfangszeit gehören heute noch Helga Weihberg und Marita Jankowsky.

Die katholischen Gläubigen wurden am 22.06.1969 zur Grundsteinlegung für die neue St. Barbara Kirche eingeladen. Die Geistlichen seit dieser Zeit waren Dechant Schnackenburg, Kaplan Fitzner, Kaplan Hoffmann, Kaplan Schulz, Kaplan Kellermann, Kaplan Kaiser, Kaplan Franitzka, Pastor Weigel, Pastor Herbst, Pastor Aßmann, Pastor Korten und Pastor Haase.
Die siebziger Jahre

Die katholische Kirche St. Barbara feierte am 11.09.1970 Richtfest. Die Weihung nahm Bischof Heinrich Maria Jansen vor. Auch die Katholische Kirche erhielt keine neuen Glocken, sondern die alten Glocken der katholischen Kirche in Clausthal.

Landesbischof Dr. Heintze weihte die neue Kirche St. Peter am 29.04.1972.

Hatten bis dahin die Sudmerberger von den Nordharzer Kraftwerken noch einen Sondertarif für den Bezug des Stromes als einzig möglicher Energiequelle in der Siedlung eingeräumt bekommen, so stand jetzt die Ankündigung im Raum, zusätzlich eine Gasversorgung herzustellen. Einhelliges Votum der Siedler. „Wir sind dagegen!“. Die erste Skepsis gegenüber dieser bisher ungewohnten zusätzlichen Energiequelle legte sich aber bald.

Der Leichtathletikclub Nordharz – kurz LCN – wurde 1974 gegründet. Knapp 300 Mitglieder aus Sudmerberg und dem benachbarten Stadtteil Ohlhof nutzen das Breitensportangebot des Vereins.

Einmal im Jahr brannte es auf dem Sudmerberg!

Nachdem bereits im Jahr 1971 mit dem ersten Bauabschnitt des Anbaus des Schützenhaus begonnen worden war, in dem Gastraum, Küche und sanitäre Anlagen im Laufe der Zeit entstanden, konnte endlich am 02.08.1974 die Einweihung der Gaststätte gefeiert werden.

Probst Kalberlah führte 1975 Pastor Reiner Redetzki als Gemeindepfarrer von St. Peter in sein Amt ein.

Im Herbst 1976 wurde an der Sudmerbergschule eine Vorklasse für die 5jährigen eingerichtet. Die erste 5. Klasse wechselte zur Orientierungsstufe „Bei der Eiche“ nach Oker.

Freunde des Citizen-Bandes – oder auch „Jedermannfunk“ genannt – aus Goslar und Umgebung gründeten am 08.08.1976 unter dem Vorsitz von Hartmut Schulze den CB-Funk-Club.

Anläßlich der Feier zum 40jährigen Bestehen der Siedlergemeinschaft Sudmerberg faßte der 1. Vorsitzende Fritz Engel die Verbundenheit der Sudmerberger untereinander und mit ihrem Stadtteil mit den Worten „Wir sind daheim am Sudmerberg“ zusammen.

Im Jahr 1977 mußte sich der Schützenverein erneut mit Baumaßnahmen am Schützen- und Freizeitheim Sudmerberg befassen, da die alte Schießbaracke baufällig geworden war. Die Finanzierung bereitete enorme Schwierigkeiten. Erst 1979 signalisierte die Bezirksregierung Braunschweig, daß die Baumaßnahme in die erste Förderpriorität aufgenommen worden sei. Das allein reichte aber nicht, denn bereits ein Jahr später drohte das Vorhaben zu scheitern, da das Land keine Fördermittel zur Verfügung stellen konnte. Die Schützen ließen sich nicht entmutigen und griffen mit Schützenvogt Helmut Schwickert an der Spitze zur Selbsthilfe. Seit Mai 1980 wurden regelmäßig Altpapiersammlungen – heute: Wertstoffsammlungen – durchgeführt. Die Erlöse dienten der anteiligen Finanzierung des Baus.

Die Achtziger Jahre

Nachdem die letzte 9. Klasse die Hauptschule Sudmerberg verlassen hatte und durch geburtenschwache Jahrgänge die Schülerzahl bis auf 112 Schüler gesunken war, wurde die Schule vom 01.08.1980 an nur noch als einzügige Grundschule geführt. Dieses einschneidende Ereignis fiel mit dem 20jährigen Jubiläum der Schule zusammen.

Winteridylle am Marktplatz

Schulleiter war zu dieser Zeit schon Rektor Milde, der den Rektoren Heinrich Jakob (1950-68) und Wolfgang Preuß (1968-77) folgte und sein Amt bis 1989 ausübte. Seit 1989 wird die Schule von der Rektorin Sabine Bekurs geführt. Für Ordnung und Sauberkeit sorgten die Hausmeister Plümer (1950-68), Stachler (1968-84) und Voderstemann (seit 1984) sowie kurzzeitig Herr Müller.

Nachdem die letzten Formalitäten erledigt waren, konnte 1981 endlich mit dem Erweiterungsbau des Schützen- und Freizeitheimes Sudmerberg begonnen werden. Schützenbrüder und Schützenschwestern sowie die Mitglieder der mitnutzenden Vereine und unter finanzieller Hilfe von Bund, Land und Stadt hatten in 4071 Arbeitsstunden der Saal den Schützenhauses fertiggestellt. Bei der Einweihungsfeier am 20.11.1981 wurde endgültig aus dem Schützenhaus das Schützen- und Freizeitheim Sudmerberg.

Am 19.07.1982 übernahm Pastor Egbert Raabe die Leitung der Kirchengemeinde St. Peter.

Aufgrund einer Idee des Sudmerberger Sparkassenchefs Siegfried Becker veranstaltete eine Gruppe Sudmerberger, angeführt vom „Ortsbürgermeister“ Helmut Schwickert, den Eheleuten Margitta und Hartmut Schulze, Siegfried Becker und Peter „Pittchen“ Kelling, unterstützt von vielen Sudmerberger Vereinen das erste Sudmerberger Stadtteilfest. Die Schirmherrschaft hatte Oberbürgermeisterin Marta Lattemann-Meyer übernommen, die zwei Jahre später im Rahmen des 2. Stadtteilfestes eine Linde pflanzte. Helmut Schwickert taufte diese prompt „Marta-Pfahl“.

Die Stadtteilfeste wurden unentgeltlich und ehrenamtlich organisiert und durchgeführt, die Reinerlöse erhielten z.B. 1984 die Lebenshilfe, 1988 der Förderverein Rammelsberger Bergbaumuseum oder 1992 der Sudmerberger Kindergarten. Das Biotop an der Grundschule Sudmerberg entstand 1986 und mit dem Erlös des Stadtteilfestes 1990 folgten die Ruhebänke am Ginsterbusch und auf dem Sudmerberg.

"Sitzprobe" des Stadtteilfestkommites

Bild : „Sitzprobe“ des Stadtteilfestkommites Hartmut Schulze, Margitta Schulze, Helmut Schwickert und „Pittchen“ Kelling

Nachdem zum 25jährigen Jubiläum der Siedlergemeinschaft dem Siedler Friedrich-Brockhöfer als Ehrengabe ein Spaten versprochen, dieses Versprechen aber aus nicht mehr feststellbaren Gründen nicht eingelöst worden war, wurde das Versäumnis zum 50jährigen Jubiläum ausgeräumt.

Friedrich Brockhöfer und sein Jubiläumsgeschenk

Bild : „Sitzprobe“ des Stadtteilfestkommites Hartmut Schulze, Margitta Schulze, Helmut Schwickert und „Pittchen“ Kelling

Nachdem zum 25jährigen Jubiläum der Siedlergemeinschaft dem Siedler Friedrich-Brockhöfer als Ehrengabe ein Spaten versprochen, dieses Versprechen aber aus nicht mehr feststellbaren Gründen nicht eingelöst worden war, wurde das Versäumnis zum 50jährigen Jubiläum ausgeräumt.

Mit Volldampf zur Feier des 50. Jubiläums

1986 begann für den Kindergarten Sudmerberg eine aufregende und zunächst ungewisse Zeit. Meldungen über Schwermetallbelastungen des Kindergartengrundstückes schreckten Eltern, Kinder, Stadt und Kindergartenleitung auf. Erst 1988 konnte mit einer Abdeckung und damit einer Versiegelung des bleiverseuchten Hanges ein befriedigendes Ergebnis erzielt werden. Der Kindergartenbetrieb konnte „unbelastet“ fortgesetzt werden.

So wie der Schützenverein schon seit Jahren mit der Wilhelminen Schützengilde von 1831 e.V. in Kiel, mit der Schützengilde Berlin – Rudow und seit der Wende mit dem Schützenverein Hüttenrode enge freundschaftliche Verbindungen bis zum heutigen Tage pflegte und pflegt, so nahm auch die Siedlergemeinschaft im März 1988 Beziehungen zu einer anderen Gemeinschaft, der Siedlergemeinschaft Wellingholzhausen bei Melle, auf. Bei gegenseitigen Besuchen eröffnete sich der Blick für die Schönheiten und Besonderheiten der Partnergemeinden. Die Besuche boten Gelegenheit, Freundschaften zu schließen.

Nachdem der Schützenverein Goslar-Sudmerberg bislang seine Schützenfeste auf dem jetzigen Parkplatz des Schützen- und Freizeitheims Sudmerberg gefeiert hatte, werden seit 1988 die jährlichen Schützenfeste im Zentrum des Stadtteils auf dem Marktplatz veranstaltet.

Bei der Aufstellung eines Erzbrockens aus dem Rammelsberg auf dem Marktplatz im Rahmen einer Feierstunde 1988 wies Helmut Schwickert auf die Verbindungen zwischen dem Bergbau in dem in diesem Jahr geschlossenen Rammelsberger Bergwerk und der Sudmerbergsiedlung hin, die ja gerade den Rammelsberger Bergleuten Wohnraum bot.

Feierstunde 1988 auf dem Marktplatz

Im Sommer 1989 informierten erste Reportagen die Öffentlichkeit über den auf dem Sudmerberg entstehenden 72 m hohen Sendeturm, der schließlich im Herbst 1991 in Betrieb ging.

72m hoch ist der Sendeturm Sudmerberg

Ab 1990 gehörte der gesamte Bereich des Stadtteils Ohlhof zum Schulbezirk des Sudmerbergschule. Rund 200 Schüler sicherten jetzt die Zweizügigkeit der Schule.

In der Festzeitschrift zum 25jährigen Jubiläum der Sudmerbergsiedlung und der Siedlergemeinschaft im Jahre 1961 träumte Fritz Brinkmann von einer pflegenden Hand für den Marktplatz und von etwas, das ihn krönt und als Marktplatz ausweist. „Vielleicht der Ziegenbrunnen, der auf dem Greifplatz den Autos weichen mußte und seit längerem seine Schönheit irgendwo versteckt.“

Im April 1991, also 30 Jahre später, folgte der Kulturausschuß dem insbesondere nach langem und intensiven Bohren von Siedlerfreund Ferdinand Schleier wieder aufgenommenen Wunsch des Siedlerbundes nach einem Marktbrunnen und schrieb einen Wettbewerb zur Gestaltung eines Brunnens auf dem Marktplatz aus. Es wurden 3 Preise mit insgesamt 5000,– DM vergeben. Für die Durchführung des Wettbewerbes einschließlich Kauf und Aufstellung des Objektes plante die Stadt 60.000,- DM in den Haushalt ein.

Oberbürgermeisterin Marta Lattemann-Meyer

Im Rahmen einer Feierstunde erhielt Anna Barth aus St. Andreasberg aus den Händen von Oberbürgermeisterin Marta Lattemann-Meyer den ersten Preis im Wettbewerb um die Ausgestaltung des Marktbrunnens in Sudmerberg. Von nun an brauchten die Sudmerberger nicht mehr neidisch nach Jürgenohl zu schauen, denn jetzt hatten sie ihre eigene „Schirmherrin“, das Mädchen unter dem Wasserschirm. Dazu die Künstlerin: „Das Mädchen, Jugend symbolisierend, ist zugleich Nachkomme der ehemaligen Bergleute, die einst in Sudmerberg Heimat, Arbeit und Schutz fanden“. „Jetzt wird man möglicherweise in Jürgenohl neidisch auf Sudmerberg schauen“ vermutete GZ-Redakteur Metge ( selbst Sudmerberger ) am 22.02.92 in seinem Zeitungsartikel.

Mädchen mit dem Wasserschirm

Mit der Juryentscheidung wurden im übrigen nicht für alle Sudmerberger alle Wünsche wahr. Inzwischen haben aber auch sie mit dem Schirmmädchen Freundschaft geschlossen, zumal auch die Schutzpatronin der Bergleute, die heilige Barbara unzweifelhaft weiblich war. Der Ziegenbrunnen übrigens, von dem Fritze Brinkmann einst sprach, hat sein dunkles Einlagerungsverließ inzwischen verlassen und ziert wieder den neu gestalteten Greifplatz.

„Die Stimmung war heiter und ausgelassen am 10.07.1994 im Garten des Mönchehausmuseums. Eltern und Kinder waren den Klängen des Spielmannzuges Sudmerberg gefolgt zur Eröffnung der Ausstellung „Künstler gestalten Pferde für Kinder in Bosnien“. Kinder des Kindergartens Sudmerberg hatten mit ihrer Leiterin Inge Baldauf Schaukelpferde der ehemaligen Galeristin und Initiatorin der Organisation „children in crisis“ Karin DiGia mit ihren farbigen Handabdrücken gestaltet. K. DiGia war eigens aus New York angereist.

"Pferd für Kinder in Bosnien"

Der SV Sudmerberg gründete seine Damenfußballabteilung, die durch ihr Spiel im Rahmen des 6. Sudmerberger Stadtteilfestes die Aufmerksamkeit auf sich gezogen hatte. Zu den Spielen der Mannschaft kommen inzwischen so viele Zuschauer, wie sonst nur zu den Spielen der ersten Herrenmannschaft in der Bezirksklasse.

Das 6. Sudmerberger Stadtteilfest war verbunden mit den Feiern zum 25jährigen Bestehen des Kindergartens St. Peter. Unter dem Motto „Mit der Jugend / für die Jugend“ erhielten den Erlös 9 Jugendabteilungen der Sudmerberger Vereine und Einrichtungen.

Zu Beginn des Jahres 1995 überraschte Helmut Schwickert in seiner Funktion als 1. Vorsitzender des Schützenvereins die nicht eingeweihten Sudmerberger Bürger, er kandidierte nicht mehr für die Vereinsspitze und gab das Amt nach über 32 Jahren an seinen Stellvertreter Günter Warnke weiter. Er bleibt dem Verein als Ehrenvorsitzender und untrennbarer Bestandteil des Schützen- und Freizeitheimes Sudmerberg treu.

Am 20.08.1995 hatte beim Schützenfrühstück der neue Schützenvogt Günter Warnke mit einer humorvollen Rede seine Feuertaufe bestanden. Anläßlich des Schützenfestes zogen auch viele Kapellen im Rahmen des 18. Bezirksmusikertreffens durch Sudmerberg.

Die Öffnungszeiten der kleinsten Goslarschen Poststelle, der gelben Post von Sudmerberg, wurden weiter reduziert. Die Sudmerberger werden etwaigen Bestrebungen, dass die Tage der Filiale am Nußanger gezählt sein sollen, auch weiterhin massiv entgegentreten.

Poststelle am Nußanger

Die Stadt gab dem Drängen aus Sudmerberg nach und änderte im Wege der Fortschreibung eine Reihe von Bebauungsplänen für das Stadtgebiet von Sudmerberg. Dadurch können am Tannenstieg drei und am unteren Eschenweg zwei neue Häuser gebaut werden. In den übrigen überplanten Bereichen ist nun eine hintere Bebauung erleichtert, die die Errichtung von Garagen und Wohnungserweiterungen durch Anbau ermöglicht.

Nachdem die bisherigen Stadtteilfeste in Sudmerberg immer wieder von den gleichen (wenigen) Sudmerbergern geplant und durchgeführt worden waren, die auch das volle finanzielle Risiko getragen hatten, wurde im Spätsommer 1995 von 14 Mitgliedern die „Interessengemeinschaft Stadtteilfest Sudmerberg“ gegründet. Hartmut Schulze, der bislang jedes Stadtteilfest mit organisiert hatte, übernahm das Amt des ersten Vorsitzenden, der Vorstand wurde abgerundet durch Helmut Schwickert, Hans-Peter Wasserscheidt, Peter Pfannekuchen und Marlene Schönberg.

1996 ist wieder ein Jubiläumsjahr. 60 Jahre Siedlung, nein Stadtteil Sudmerberg – oder soll man nicht, nachdem die gesetzlich bedingten negativen Begleiterscheinungen, wie Baubeschränkungen und Nutzungvorschriften entfallen sind, zum alten Begriff „Siedlung“ zurückkehren, damit die 4. oder 5. Siedlergeneration an die Wurzeln dieser Gemeinschaft erinnert wird. 60 Jahre Sudmerberg bedeuten gleichzeitig 60 Jahre Siedlergemeinschaft Sudmerberg – nach wie vor Selbsthilfe und Selbstorganisation von Sudmerbergern für Sudmerberger.

……………………………………………………………………………………………………………………………………….
geschrieben von: Sudadmin Dienstag, 21 Juni 2011 10:54
Gestaltung & Systemadministration: Tino Schmoz, Freiberuflicher Mediengestalter, Stargarder Str. 22, Goslar 38642 Goslar, info@cyntec-design.de
Copyright © 2019 Cyntec-Design All Rights Reserved.