Sudmerberger Warte

Letzte Aktualisierung am Donnerstag, 7 Juli 2011 08:48 / geschrieben von: Sudadmin

Die Stadtbefestigung Goslars begann im 11. Jahrhundert mit dem Bau der Stadtmauer und ihren vier Haupttoren Rosentor, Breites Tor, Klaustor und Vititor. Im 14. und 15. Jahrhundert errichteten die Verteidiger zudem die Mauertürme Weberturm, Teufelsturm, Wachtmeisterturm und Kegelwortturm. Nach Erfindung des Schiesspulvers und schwerer Geschütze war zudem die Aufschüttung hoher Erdwälle und die Anlage von Gräben vor den Stadtmauern notwendig.Der mit dem Rammelsberger Bergbau eingetretene Reichtum der Goslarer Bürger hatte aber auch eine Kehrseite, die ständigen Angriffe der Braunschweiger Herzöge. Vor den Toren der Stadt schufen die Goslarer die Landwehr aus zwei Spitzgräben und einem dazwischenliegenden, mit Dornenhecken bepflanzten Wall. Die ältere Landwehr bezog Nordberg, Georgenberg, Petersberg, Bollrich und Gelmkeberg ein. Im 15. Jahrhundert wurde ein äußerer Ring zusätzlich mit Sudmerberg, Försterberg, Rosenberg und der Okerfurt gezogen.

Der Sage nach griff Heinrich der Löwe zu der Zeit, als Kaiser Rotbart eine Zeit lang in Goslar wohnte, die Stadt an. „Es wäre Heinrich wohl niemals gelungen, die Stadt einzunehmen, wenn nicht einer der kaiserlichen Knappen sich dazu herabgelassen hätte, um eine nicht geringe Belohnung Goslars Schwächen an Heinrich zu verraten.

Zu spät bereute es der Knappe; denn als er seine Freveltat einsah, war das Unglück schon geschehen. In seiner Gewissensnot ging er zu Friedrich und bekannte seine Verfehlung, indem er selbst bat, ihn durch den Henker mit dem verdienten Tode zu bestrafen.

Auf dem Sudmerberge wurde er gerichtet, und dort oben ist sein Leichnam auch verscharrt. Als man nun später den Turm erbaute, fand sich des Verräters ruhelose Seele dort oben ein, und Nacht für Nacht hört man in der Nähe des Turmes ein Stöhnen und Wimmern, das von dem Wache haltenden Knappen herrührt“.

Sudmerberger Turm

Keine Sage waren jedoch die Ereignisse im Jahre 1515, als „das Geschütz Rumetasche vorm Seckenhoffe nach den Sudmerbarger torn“ schoß „und de Kugel fel dal im Steinfelde“.

Bereits 1527 fielen einige Landwehren den kriegerischen Auseinandersetzungen zum Opfer, 1571 zerstörte Herzog Julius von Braunschweig viele der Warten. Erhalten geblieben sind bis heute nur der Maltermeister Turm und die Sudmerberger Warte. Die im „Doktorsbusch“ auf dem Sudmerberg noch nachgewiesene Hermannswarte ist vermutlich in dieser Zeit ebenso zerstört worden.

Die Aufzeichnungen lassen keinen eindeutigen Schluß zum Zeitpunkt des Entstehens der Sudmerberger Warte zu. Gegen das Entstehungsjahr 1492 sprechen die Ausführungen von Hölscher, der bereits für das Jahr 1442 den Nachweis führt, daß der Rat einen neuen Wartmann (Turmwächter) auf dem Sutborgerberch bestellt hatte. Danach soll dann 1491 der Rat einen neuen Turmwächter „uppe dem Suttberge torn“ eingesetzt haben.
Die Sudmerberger Warte wurde ursprünglich aus Holz errichtet, später wurde das Holz durch Stein ersetzt. Türme und Warten boten den Soldaten die Möglichkeit, vor Überfällen von Räubern und finsterem Gesindel zu warnen und die Viehherden rechtzeitig in Sicherheit zu bringen. Von der Warte auf der Spitze des Sudmerberges aus konnten anrückende Feinde aus allen Richtungen beobachtet werden. Die Stadtsoldaten, die hier Wache hielten, konnten durch Flaggen- und Lichtsignale den Gegenposten in der Stadt auf der Marktkirche das Herannahen der Feinde melden. Der Weg zur Warte heißt noch heute „Soldatenstieg“.

Zwischen den Goslarern und den Bewohnern des Amtes Harzburg kam es oft zu Streitigkeiten z.B. wegen der Weiderechte. Wenn die Herden Goslars außerhalb des Knickgrabens weideten und ihnen Gefahr drohte, wurde auf der Sudmerberger Warte eine Fahne gehißt. Dann trieben die Hirten eilig das Vieh hinter den Knickgraben und die Bürger und Soldaten eilten zur Hilfe. Weideten dagegen die Harzburger ihr Vieh auf Goslarer Gebiet, so wurde auch dieses vom Turm aus gemeldet, das Vieh wurde gepfändet und hinter den Knickgraben gebracht. Faustrecht und Besitzergreifen der Herden waren so die Regel.

In den Jahren 1618 -1648 regierte in Braunschweig Friedrich Ulrich; in dieser Zeit wütete der Religionskrieg. Zunächst entstanden Fehden zwischen Goslar und dem Amt Harzburg. Goslar hielt es mit den Kaiserlichen, einmal aus Haß auf die Braunschweiger Fürsten und vornehmlich in der Hoffnung, durch die Gunst des Kaisers die Berg- und Hüttenwerke sowie die Waldungen wieder an sich zu bringen.Die Viehweide leitete den kleinen Krieg am Fuße des Sudmerberges ein. Die Harzburger weideten ihr Vieh auf Weiden, die die Goslarer mehr und mehr beanspruchten. Kampfbereit standen sich die Stadtsoldaten und Bürger Goslars einerseits und die Besatzung der Harzburg mit den Bauern, zu denen sich noch die Harzschützen, auch Schnapphähne, Ströder, Buschrenter, Klopper oder Taschenklopper genannt, gesellten, gegenüber.

Die Chronisten erzählen:

„Am 06.05.1626 waren die Harzschützen hinter dem Goslarschen Vieh am Sudmerberge. Die Stadtsoldaten und Goslarer Bürger verfolgten sie, plünderten ihre Raubnester über der Oker und töteten den Anführer, den Flößermeister. In dessen Hause, welches später die Schule beherbergte und als „Diedrichsches Haus“ erst 1857 abbrannte, fiel ihnen die Fahne in die Hände. 200 frische Brötchen, Mehl und allerlei Viktualien, soviel ein jeder schleppen konnte, wurde nach Goslar geschafft.

Die Harzschützen revanchierten sich am 05. Juni mit dem Diebstahl von 25 Pferden vor dem Clausthore. Die Goslarer Bürger und die Stadtsoldaten setzten den Dieben in 3 Haufen, jeder zu 80 Mann, nach.; 2 Haufen in den Harz und ein Haufen nach der Oker hin, woselbst der Diebe gewöhnlicher Aufenthalt war. Die 2 Haufen forderten Hilfe, weil sie unter eine Partei Renter, welche die Harzburg verproviantiert hatten, gefallen waren. Durch Trommelschlag wurde Hilfe angeboten und nachgesandt, und diese fiel den Rentern erst recht in die Hände und wurde total geschlagen.

Die 160 hatten sich durchgeschlagen und kamen zwischen der Oker und der Eulenburg aus dem Walde. Sie fielen den Rentern ebenso in die Hände und erlitten eine große Niederlage. Es blieben 12 Bürgersöhne und 20 Soldaten tot auf dem Platze, 20 waren verwundet und 16 wurden gefangen genommen. In höchster Bedrängnis mögen sie auch Zuflucht in den Zwergenhöhlen unterhalb der Bergkuppe gefunden haben und einige wohl auch ihren Verletzungen erlegen sein.

Der Hauptmann Jürgen Göckel wurde angeklagt, daß er die Untergebenen übel geführt habe, und beschuldigte man die Harzburger, daß sie mit Speck geschossen hätten. Die Gräber der Gefallenen sind zum Teil noch auf der Weide zwischen dem sogenannten Waghause und der Farbenfabrik von Salzer und Voigt erhalten. Bei der Anlage eines Gartens hat der Hüttenaufseher Edler einen Teil der Gräber mit den Gebeinen ausgegraben. Die Leichen waren in östlicher Richtung von einander gelegt.“

Am 20.09.1670 schlug der Blitz in die Sudmerberger Warte ein, die daraufhin vollständig abbrannte. Die Wache blieb unbeschädigt und die Soldaten wurden nicht verletzt.

Auch in jüngerer Zeit wurde die Sudmerberger Warte militärisch genutzt. Nach Einrichtung des Flugfeldes in Goslar 1927 und dessen Übernahme in militärische Nutzung 1935 stand oben auf dem Turm ein Drehscheinwerfer. Gemeinsam mit den Drehfeuern auf dem Brautstein und auf dem Steinberg bildete er ein Navigationsdreieck für alle Flugzeuge mit dem Zielflughafen Goslar. Während des Krieges beobachtete eine Flugwache vom Turm aus feindliche Flieger.

Heute bereitet der Erhalt des Wahrzeichens dieses Stadtteiles den Sudmerbergern zunehmend Sorge. Zum 60. Geburtstag des Stadtteils und der Siedlergemeinschaft Sudmerberg fällt deshalb der Startschuß zu der gemeinsamen Aktion „Erhalt der Sudmerberger Warte“. Mit dieser Aktion soll der Erhalt der historischen Baulichkeit finanziell und auch tatsächlich gesichert werden.

Der Sudmerberg ist nicht nur ein „in das Harzvorland verirrtes Stück Harz“ und damit ein Wanderparadies, vielmehr eröffnet sich von der Sudmerberger Warte aus dem Gast die Fernsicht über die Mauern Goslars hinweg bis zum Brocken, Hahnenklee, Steinberg und Nordberg auf der einen Seite und Halberstadt, Osterwiek, Elm, Asse, Hils und Ith in nord- und nordöstlicher Richtung.

Die Baulichkeit auf dem Sudmerberg hat für die Bewohner des Stadtteils auch symbolischen Charakter, bezogen auf die Dauer, die bis zur Erfüllung der Wünsche der Sudmerberger an Rat und Verwaltung zur Fortentwicklung der Siedlung zeitweise verstrich. Da wurde aus der „Sudmerberger Warte“ rasch das geflügelte Wort „Sudmerberger – warte“!

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geschrieben von: Sudadmin Dienstag, 21 Juni 2011 11:06
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