Verkehr in und um Sudmerberg

Letzte Aktualisierung am Donnerstag, 7 Juli 2011 09:02 / geschrieben von: Sudadmin

Lagerte Drusus an der Oker?

Diese provozierende Frage war am 16.11.1995 in der GZ zu lesen. Danach könnte der römische Feldherr Nero Claudius Drusus im Jahre 10 vor Christus bei dem verbürgten Marsch vom Rhein an die Elbe sein Lager am Fuße des Sudmerberges an der Oker aufgeschlagen haben.

Diese These wurde damit begründet, daß mit dem hier verlaufenden Hellweg die kürzeste bekannte Rhein-Elbe-Verbindung am Hang entlangführte. Die „Alte Strasse“ als ein Teil dieses Hellweges führte am Okerturm vorbei über den Sattel des Sudmerberges. Das Gelände südlich wie östlich des Sudmerberges war als ausgesprochen verkehrsfeindlich anzusehen. Verkehr war praktisch nur auf den aufgeschotterten Uferstreifen der Oker möglich.

Zwei Hohlwege – auf gepflügtem Boden auch heute noch deutlich erkennbar – laufen im Sattelpunkt des Sudmerberges zusammen. Der Abstieg in westlicher Richtung führte auf die Straße „Bergknick“ und damit auf Goslar zu. Die „Alte Straße“ fand ihre Fortsetzung in Richtung Ohlhof und Immenrode. Unterhalb der Meseburg erreichte der Weg Weddingen und über Wehre durch das Sumpfgebiet südlich von Schladen schließlich die Pfalz Werla.

Robert Lämmerhold auf dem Weg zu seinem nächsten Einsatz

Die alten Wege waren stets Höhenwege, weil sie trocken waren, Regen schnell abfloß und felsiger Untergrund für eine feste befahrbare Wegstrecke sorgte, so daß es logisch ist, daß die alte Straße über den Sudmerberg führte.

Nach dem ältesten Goslarer Postfahrplan von 1670/80 der Thurn und Taxi’schen Reichspost bestand durch die „Alte Straße“ eine Verbindung über Zellerfeld, Clausthal, Osterode, Frankfurt, Nürnberg, Erfurt und Leipzig gen Süden und über Wolfenbüttel, Braunschweig und Hamburg gen Norden.

Sudmerberger Notprogramm

1967 besuchten der Oberbürgermeister und fünfzehn Ratsherren – der Rat wäre beschlußfähig gewesen – angeführt von den Landtagsabgeordneten Fricke ( Dr. Otto von der CDU und Ernst von der SPD, so hatte jeder seinen Fricke ) die Siedler, um sich die Klagen und Vorschläge der Siedler zur Bereinigung der unhaltbaren Verkehrsverhältnisse, das Sudmerberger Notprogramm, anzuhören.

– Etliche der Straßen dieses zunächst rein dörflichen Verhältnissen entsprechenden Stadtteiles waren so eng, daß nicht zwei Pkw´s gleichzeitig aneinander vorbeifah ren konnten.

– Bürgersteige fehlten und mußten angelegt werden, zum Teil nur einseitig, weil für mehr der Platz nicht ausreichte.

Es verschwanden aber auch Bürgersteige, so z.B. am heutigen Eschenweg. Die Anwohner auf der Seite mit den geraden Hausnummern hatten ursprünglich keinen Vorgarten, dafür aber einen Bürgersteig. „Wandgemälde“ und Klopfstreiche der damaligen Halbstarken, die heute alle im Rentenalter sind, waren der Vorwand, sich auch einen Vorgarten zu erkämpfen. Der Erfolg trat ein, die frühen „Grafitties“ unterblieben von dieser Zeit an. So ist der Eschenweg auch heute noch eine der wenigen Straßen in Goslar gänzlich ohne Fußweg.

– Der Nußanger – Wohnstraße der kinderreichen Familien – mit seinen Spielmöglichkeiten und vielen Hecken – war zur Durchgangsstraße für Lastwagen geworden, die diese Abkürzung zwischen Schleeke und Vienenburger Straße nutzten.

– Die Ausfahrt zur Vienenburger Straße war viel zu eng.

– Das Überqueren der B 6 an der Bushaltestelle Ginsterbusch

– immerhin hielten hier 150 Busse pro Tag – war lebensgefährlich. Eine Fußgängerbrücke oder eine Unter führung waren aus finanziellen Gründen nicht durchsetzbar. Als Übergangslösung wurde eine Ampel installiert – und die steht heute noch dort.

Der Deich

Im Zuge der Fertigstellung der „B 6 neu“ entstand auf der Nordseite der Vienenburger Straße der „Deich“, wie die Sudmerberger den Lärmschutzwall tauften. Dank der besonderen Initiative des Siedlerfreundes Helmut Fiedler und des Siedlerbundes wurde im Planfeststellungsverfahren zur Genehmigung des Straßenbaus die Schaffung des Schallschutzes gegen den von der Bundesstraße ausgehenden Lärm der Straßenbauverwaltung auferlegt.

1989 stand der Lärmschutzwall „auf der falschen Seite“ der Vienenburger Straße. Nach der Grenzöffnung reihte sich plötzlich Trabbi an Trabbi oder an Wartburg, auf dem Weg zu Aldi und Real bzw. auf dem Weg nach Goslar. Der typische Sound der Zweitakter und der unverwechselbare Spritgeruch wurden von der Schallschutzmauer in die Siedlung zurückgeworfen, der Zweck des Bauwerkes verkehrte sich vorübergehend in sein Gegenteil.

Eine weitere Planung interessierte die Sudmerberger insbesondere nach dem Ansteigen der Verkehrsbelastung nach der Grenzöffnung, nämlich die Anbindung des Gewerbegebietes Gutenbergstraße. Nachdem seit 1981 viel Zeit mit Plänen, Diskussionen und neuerlichen Änderungsvorschlägen ins Land gegangen war, schien 1994 endlich alles klar zu sein. Da schreckte eine Meldung der GZ vom 25.02.1995 die Sudmerberger auf. Das geplante Projekt einer Verbindung zwischen Gutenbergstraße und Immenröder Straße drohte zu platzen, weil die Kosten von 5,3 auf 8,3 Mio. DM gestiegen waren. Durch eine nennenswerte Beteiligung der ansässigen Unternehmen an den entstehenden Kosten konnten die Planungen doch noch gesichert werden, so daß zum Jahresende 1995 die Arbeiten die ersten Konturen der neuen Anbindung zeigten.

Deutsche Alleenstraße

Heute liegt der Stadtteil Sudmerberg direkt an der Deutschen Alleenstraße, die von Rügen über Stralsund, Brandenburg, Wittenberg, Quedlinburg und Halberstadt über insgesamt 680 km von Vienenburg kommend nach Goslar führt. Während die im Norden liegenden Teilstrecken mit reichlich Baumbestand versehen sind, ist – je mehr man sich Goslar nähert – noch reichlich Raum für Nachplanzungen. Dieser Aufgabe hat sich als privater Sponsor die Global-Umweltstiftung ( hinter ihr stehen 143 Möbelhäuser ) dankenswerter Weise angenommen.

Vielleicht nimmt sich diese Stiftung auch einmal der an den Stadtteil Sudmerberg angrenzenden Teilstrecke an und ergänzt die 4 Kastanien, die als „äußeres Zeichen“ die verkehrliche Anbindung unseres Stadtteiles an die Vienenburger Straße verkörpern, zumal zwischen Verkehrsproblemen in diesem Stadtteil einerseits und Möbelunternehmen andererseits eine ganz besondere Verbindung besteht.

Weitere Straßenplanungen

Im November 1991 diskutierte der Bauausschuß über Verkehrsprobleme in Sudmerberg. Einmütigkeit bestand darüber, entlang der Vienenburger Straße zwischen Katholischer Kirche und der Ampelanlage an der Windsorbrücke den kombinierten Geh- und Radweg zu verlängern. Voraussichtliches Umsetzungsdatum sollte das Jahr 93 sein, aber welches Jahrhundert?

Die Anlieger des Eschenweges hielten ohnehin nicht viel von diesem Gedanken, sahen sie doch täglich die Kinder aus Ohlhof zur Grundschule gehen und Radfahrer natürlich auch entgegen der Einbahnstraßenregelung den Eschenweg entlangfahren. Ziel konnte es doch nicht sein, diese auf die nun wieder stark befahrene Vienenburger Straße zu zwingen.

Dem Vorschlag, den Eschenweg als verkehrsberuhigte Zone für Kinder und Radfahrer attraktiv und sicher zu machen, folgte später die Stadt Goslar damit, daß sie erst das Einbahnstraßenschild und die Parkplätze im unteren Teil des Eschenweges beseitigte, dann jedoch feststellte, daß die künftige „Ausfahrt“ im oberen Teil des Eschenweges nicht sicher war und das Einbahnstraßenschild wieder aufstellte. Wann werden die (dem Vernehmen nach für 1995 geplant gewesenen) erforderlichen Maßnahmen am Eschenweg diesen zur verkehrsberuhigten Zone werden lassen?

Die großen Planungen im Jahr 1993 zum Thema „Tempo 30 Zone“ haben sich im Jahr 1995 auf die Arbeiten an den Stadtteileingängen reduziert. Hier wurden die Einmündungen z.T. erheblich verengt. Die im Zuge der Planungen durchgeführten Zählungen und Geschwindigkeitsmessungen hatten aber mitunter schon überraschende „Erfolge“. So berichtete die GZ am 16.03.1992, daß hierbei auch der Pastor „erwischt“ wurde.

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geschrieben von: Sudadmin Mittwoch, 6 Juli 2011 12:51
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